Der Mensch – ein Auslaufmodell?

Die Kolumne von Thomas Kast, Geschäftsführer der Zahnärztekasse AG

Digitalisierung als Mittel zum Zweck

Der Mensch ist gefragt. Im digitalen Zeitalter erst recht.


Die digitale Revolution rüttelt die Wirtschaft und Gesellschaft kräftig durcheinander und wird zahlreiche Jobs überflüssig machen. Zur bedrohten Spezies der Arbeitswelt zählen gemäss aktuellen Studien Telefonverkäufer, Lagerarbeiter, Bauarbeiter, Arbeiter der Metall- und Maschinenindustrie, Chauffeure oder Mitarbeitende von Fastfood-Restaurants. Guten Grund, sich zur beruflichen Zukunft Gedanken zu machen, haben auch Personalverantwortliche, Bankbeamte, Buchhalter, Mitarbeitende von Anwaltskanzleien, Versicherungsgutachter, Köche oder Fremdenführer. Sie alle müssen damit rechnen, dass ihre Arbeit früher oder später teilweise oder ganz durch Roboter, lernende Maschinen, künstliche Intelligenz und smarte Software erledigt wird.

Sind Zahnmediziner auf der sicheren Seite?

Wenig zu befürchten – so eine weit verbreitete Meinung – hätten Angehörige hoch qualifizierter Berufsgruppen wie Analysten, Programmier- und IT-Fachleute, Ingenieure, E-Commerce-Manager, Cyber-Security-Experten oder Humanmediziner und natürlich – Zahnärztinnen und Zahnärzte. Kann für diese Berufsgattungen wirklich Entwarnung gegeben werden? Um bei der Zahnmedizin zu bleiben: Es ist noch kein Jahr her, dass in China ein Roboter einer Patientin selbständig zwei Implantate eingepflanzt haben soll. Gemäss den entsprechenden Medienberichten soll der Roboter auf die Bewegungen der Patientin reagiert und sich automatisch justiert haben. War’s das oder war das erst der Anfang?

Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch

Aus einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Oxford aus dem Jahr 2013* geht hervor, dass die Wahrscheinlichkeit einer «Computerisierung» des Zahnarztberufs mit 0.4 Prozent praktisch vernachlässigbar ist. Aber seither sind rund fünf Jahre vergangen, und die Entwicklung der künstlichen Intelligenz setzt sich mit Riesenschritten fort. Intelligente Maschinen eignen sich laufend Fähigkeiten an, die bisher den Menschen vorbehalten waren. Gerade gewöhnen wir uns daran, dass sie sehen, lesen, zuhören, analysieren und sprechen können und dass sie lernfähig sind. Mittlerweile sind sie aber bereits soweit, dass sie beispielsweise aus unseren Gesichtszügen herauslesen können, wie es uns gerade geht. Sie sind in der Lage, in Gewebeproben bisher unbekannte Krebszellen zu entdecken, und viel schneller und präziser als der Mensch aus grossen Datenmengen Muster zu erkennen.

Roboter, bleib bei deinen Leisten

Gerade die letztgenannte Fähigkeit künstlicher Intelligenz wird laut Hans-Florian Zeilhofer, Professor am Universitätsspital Basel, in der Medizin «einen Quantensprung der Qualität bewirken». In einem vor kurzem in der NZZ publizierten Artikel merkt er allerdings an, dass Ärztinnen und Ärzte nie zu reinem Wartungspersonal für Roboter würden und dass sich klinisches Personal auch zukünftig nicht ersetzen lasse. Dies dürfte auch für den Bereich der Zahnmedizin zutreffen: Roboter, meint der deutsche Zahnarzt-Blogger Torsten Meyer-Elmenhorst, würden immer Assistenz-Systeme bleiben, der approbierte Zahnarzt bleibe auf die Dauer unverzichtbar.

Digitalisierung als Mittel zum Zweck

Und warum ist das so? Weil Zahnmedizin eine Disziplin von Menschen für Menschen ist, in der die zwischenmenschliche Interaktion eine entscheidende Rolle spielt. Sinn erzeugen digitale Technologien in der Zahnarztpraxis dann, wenn sie diesen Anspruch unterstützen. Wenn sie der Zahnärztin oder dem Zahnarzt helfen, ihre anspruchsvolle Arbeit am Behandlungsstuhl noch besser und menschengerechter auszuführen. Oder wenn sie – wie im Fall der Digitalisierung des Honorar-Managements – für das Praxisteam Freiraum für eine noch bessere Betreuung der Patientinnen und Patient schaffen. Der Mensch ist gefragt. Im digitalen Zeitalter erst recht.

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Thomas Kast
Geschäftsführer der Zahnärztekasse AG
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